«Bsuechszyt» von Felix Mitter
Das Stück
In «Bsuechszyt» besucht eine junge Frau ihren Schwiegervater im Altersheim,
ein Mann seine Gattin im Gefängnis,
die Tochter ihren Vater in der Psychiatrie,
ein Ehemann seine kranke Frau im Spital.
In diesen Endstationen der Gesellschaft stecken die Abgeschobenen und Eingeschlossenen perspektivlos in einem Vakuum zwischen Vergangenheit und Zukunft. Aber auch ihre Besucher sind Gefangene ihrer eigenen Gedanken und Opfer gesellschaftlicher Konventionen denen sie ausgeliefert sind. Ihr Besuch ist für die Betroffenen ein aufflackernder Augenblick, ein stillstehender Moment zwischen den Zeiten ihres Daseins.
Die Figuren lösen Gefühle aus. Sie sind uns nah, berühren uns, bringen uns zum Lachen, zum Nachdenken, weil wir Vergleichbares schon selbst oder in unserem Umfeld erlebt haben.
Wir bringen Mitteres Stück «Besuchszeit» nun in einer berndeutschen Fassung – Übersetzung Charles Benoit – in Utzenstorf auf die Bühne. Auch wenn dieses bereits 1985 uraufgeführt wurde, sind die Dialoge und Inhalte nach über 40 Jahren immer noch aktuell.
Der Autor
Felix Mitterer wurde 1948 als dreizehntes Kind einer verwitweten Landarbeiterin in Achenkirch/Tirol geboren. Leiblicher Vater ist vermutlich ein unbekannter rumänischer Flüchtling. Der kleine Felix wurde unmittelbar nach der Geburt vom Landarbeiterehepaar Mitterer adoptiert. Nach der Schulzeit besuchte er die Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck, brach aber die Ausbildung vorzeitig ab. Er arbeitete dann zehn Jahre lang beim Zollamt in Innsbruck.
In dieser Zeit entstanden seine ersten literarischen Texte, zunächst veröffentlicht im Rundfunk, in Zeitungen und Anthologien. 1979 trat er mit dem Theaterstück "Kein Platz für Idioten" hervor, in dem er das Leben eines behinderten Buben in einem Dorf schildert. Heute gehört er zu den bekanntesten Autoren Österreichs.
Die Liste mit seinen Auszeichnungen ist lang. Zuletzt wurde er 2024 mit dem NESTROY-PREIS für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Sein literarisches Werk umfasst etwa 50 Theaterstücke, zahlreiche Hörspiele, Kinder- und Filmdrehbücher, u.a. für den «Tatort».
«Ich habe ja nie für Intellektuelle geschrieben, sondern immer auch für kleine Volksbühnen am Land. Mich hat das Dorftheater meiner Kindheit geprägt, wo die Menschen auf der Bühne so gesprochen haben wie die vor der Bühne.»
Felix Mitterer
Der Regisseur
Erstmals führte Charles Benoit 2004 beim Stück «Biografie. Es Schpiu» von Max Frisch für das Dorftheater Regie. Damals sagte Werner Suter zu seinen Kolleginnen und Kollegen des Dorftheaters: “Ich kenne da einen, der macht beim Radio DRS Regie. Ich fragte den mal an, ob er bei uns die Regie übernimmt.” Seither ist Charly der Hausregisseur des Dorftheaters.
Charles Benoit, geboren 1945 in Bern, sammelte erste Theatererfahrungen in den 60er-Jahren als Schauspieler und Regisseur in Berns Kellertheatern. Ab 1973 bis zu seiner Pensionierung arbeitete er als Regisseur bei SRF. Er wurde vielfach für seine Arbeiten ausgezeichnet.
«Bsuechszyt» ist Charlys 13. Inszenierung für das Dorftheater Utzenstorf und zugleich seine letzte Regiearbeit. Dem Dorftheater bleibt er treu und wird sich im Verein weiterhin eingeben. So arbeitet er aktuell bereits an der Berndeutschen Übersetzung für unsere nächste Produktion.
Besetzung
| Vreni | Rahel Habegger |
| Walter | Martin Schärer |
| Helga | Susanne Höchenberger |
| Kurt | Markus J. Jakober |
| Erika | Nadja Rehli |
| Robert | Ruedi Eggenschwiler |
| Klara | Margrit Glanzmann |
| Sepp | Matthias Klopfenstein |
Stab
| Regie & Dialektfassung | Charles Benoit |
| Musik | Thanusanth “Thanu” Vijayakumar |
| Bühnentechnik & Licht | Christa Eberhard |
| Bühnenbild & Co-Regie | Ruedi Eggenschwiler |
| Beizli | Martin Rohrbach, Rosmarie Steiner und das Beizli-Team |
| Verlag und Rechte | Kaiser & Co. Ges.m.b.H, 1010 Wien, Österreich |
| Administration | Markus J. Jakober, Andreas Eberhard |
| Finanzen | Andreas Eberhard |
Kaiser & Co. Ges.m.b.H, 1010 Wien, Österreich
Kommentare unseres Publikums