«Besuchszeit» von Felix Mitterer

Der Autor

Felix Mitterer
Felix Mitterer (©Manfred Werner, Wikimedia Commons)

Felix Mitterer wurde 1948 als dreizehntes Kind einer verwitweten Landarbeiterin in Achenkirch/Tirol geboren. Leiblicher Vater ist vermutlich ein unbekannter rumänischer Flüchtling. Der kleine Felix wurde unmittelbar nach der Geburt vom Landarbeiterehepaar Mitterer adoptiert. Nach der Schulzeit besuchte er die Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck, brach aber die Ausbildung vorzeitig ab. Er arbeitete dann zehn Jahre lang beim Zollamt in Innsbruck.

In dieser Zeit entstanden seine ersten literarischen Texte, zunächst veröffentlicht im Rundfunk, in Zeitungen und Anthologien. 1979 trat er mit dem Theaterstück "Kein Platz für Idioten" hervor, in dem er das Leben eines behinderten Buben in einem Dorf schildert. Heute gehört er zu den bekanntesten Autoren Österreichs.

Die Liste mit seinen Auszeichnungen ist lang. Zuletzt wurde er 2024 mit dem NESTROY-PREIS für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Sein literarisches Werk umfasst etwa 50 Theaterstücke, zahlreiche Hörspiele, Kinder- und Filmdrehbücher, u.a. für den «Tatort».

«Ich habe ja nie für Intellektuelle geschrieben, sondern immer auch für kleine Volksbühnen am Land. Mich hat das Dorftheater meiner Kindheit geprägt, wo die Menschen auf der Bühne so gesprochen haben wie die vor der Bühne.»

Felix Mitterer

Das Stück

In «Bsuechszyt» besucht eine junge Frau ihren Schwiegervater im Altersheim,
ein Mann seine Gattin im Gefängnis,
die Tochter ihren Vater in der Psychiatrie,
ein Ehemann seine kranke Frau im Spital.

In diesen Endstationen der Gesellschaft stecken die Abgeschobenen und Eingeschlossenen perspektivlos in einem Vakuum zwischen Vergangenheit und Zukunft. Aber auch ihre Besucher sind Gefangene ihrer eigenen Gedanken und Opfer gesellschaftlicher Konventionen denen sie ausgeliefert sind. Ihr Besuch ist für die Betroffenen ein aufflackernder Augenblick, ein stillstehender Moment zwischen den Zeiten ihres Daseins.

Die Figuren lösen Gefühle aus. Sie sind uns nah, berühren uns, bringen uns zum Lachen, zum Nachdenken, weil wir Vergleichbares schon selbst oder in unserem Umfeld erlebt haben.

Wir bringen Mitteres Stück «Besuchszeit» nun in einer berndeutschen Fassung – Übersetzung Charles Benoit – in Utzenstorf auf die Bühne. Auch wenn dieses bereits 1985 uraufgeführt wurde, sind die Dialoge und Inhalte nach über 40 Jahren immer noch aktuell.

Es tut sich was im Dorftheater

Artikel aus dem «Lindenblatt» 1/2026 von Rosmarie Steiner und Susanne Höchenberger

 

Mir si wider a öppis dranne

Auf der Theaterbühne des Kirchgemeindehauses herrscht emsiges Schaffen, Texten, Inszenieren und Proben. Es wird die letzte Inszenierung unter der Regie unseres langjährigen Regisseurs Charles Benoit sein.

In den 20 Jahren Schaffen mit uns Laientheaterleuten ist es Charly gelungen, uns auf Ton, Mimik und das reduzierte Bühnenschauspiel zu sensibilisieren. Seinen Feinschliff und sein leises Dirigieren haben uns geprägt. Das sind die Finessen, die uns beim Theaterspielen fordern und vor allem so viel Spass machen.

Werner Suter, der Gründer des Dorftheaters und damaliger Regisseur, war es, der vor 21 Jahren bei Proben erwähnt hat «Ig ha ä Fründ, wo bym Radio DRS Hörspiel produziert. Dä muess mau da cho inneluege u cho Tips gä.» Und so hat sich der Radio DRS-Hörspiel-Profi Benoit aus Bern der Laienbühnentruppe aus Utzenstorf angenommen. Für den leidenschaftlich treuen YB-Fan Charly war dies quasi der Anpfiff im Dorftheater auf dem Lande.

Am 29. Mai 2026 wird die Premiere des neuen Theaterstücks «Bsuechszyt» stattfinden. Als Regieassistent steht Charles Benoit seit diesem Sommer Ruedi Eggenschwiler zur Seite. Ruedi ist 2022 zu uns gestossen und hat sich seitdem mit grossem Engagement in der Technik, in der Organisation und mit vielen Ideen bei uns eingebracht. Er wird uns dann ab dem nächsten Stück als Regisseur durch die Proben, Vorbereitungen und Aufführungen führen. Für das Dorftheater ist es ein grosses Glück, dass wir mit ihm einen kreativen ­ Regisseur im Ensemble haben, der unsere Philosophie ­ mitträgt, schätzt und als Teammitglied dazugehört.

Wir freuen uns zu sehen, dass sich auch junge Leute für das Theater interessieren und begeistern. So konnten wir für das aktuelle Stück «Bsuechszyt» Nadja Rothenbühler und Rahel Habegger ins Boot holen. Die zwei jungen Darstellerinnen bereichern unser Team und es ist eine Freude, sie beim Spielen dabei zu haben.

Nun zum nächsten Stück

Im Altersheim, im Gefängnis, in der Psychiatrie und im Spital treffen wir auf Menschen und ihre Besucher, alle eingeschlossen, fremdbestimmt, ohnmächtig, ohne Perspektive, umgeben von einem Vakuum aus Kälte und Ignoranz. Doch aus diesem Vakuum steigen immer wieder Hoffnungsschimmer und spontane Situationskomik auf. Ein Stück für jede Gemütslage. Auf unserer Homepage findet ihr Näheres zum Stück, zu den Spielern und dem Autor.

Wir freuen uns auf die Premiere am 29. Mai 2026 und hoffen, euch bei uns im Theater und auch im Beizli begrüssen zu dürfen.


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Die vollständige Ausgabe des «Lindenblatt» finden Sie auf der Webseite der Gemeinde.